Für 365 Tage gut

Bei meiner Geburtstagsparty gestern bekam ich zwei wunderschöne Schreibjournale geschenkt. Eines davon:

Kladde

Als ich begeistert erzählte, dass ich darin wieder Platz für ‚Morgenseiten‘ hätte, fragten mich meine noch nicht schreibinfizierten Freundinnen, was das denn sei. Wer möchte es noch wissen?

Morgenseiten

Ich kenne den Begriff ‚Morgenseiten‘ aus dem ‚Weg des Künstlers‘ von Julia Cameron. Und aus dem Studium, wo wir uns mit dem Sinn von Schreibjournalen, Tagebüchern und Portfolios auseinandersetzten.

Morgenseiten schreiben ist eine wirkungsvolle Methode, sich selbst zu begegnen und gleichzeitig die Kreativität zu steigern. Es geht ähnlich wie die Kreativtechnik ‚Freewriting‘ nach Peter Elbow:

Schreiben nach Lust und Laune, Prozess und nicht Produkt im Kopf: Ihr schreibt morgens nach dem Wachwerden zügig mit der Hand, über alles, was Euch im Kopf herumspukt, Eure Träume gespeist hat oder Euch heute erwarten mag . Wie in Trance, ohne Euch oder das Geschriebene in Frage zu stellen. Ob das jetzt 8 oder 15 Minuten sind oder drei DINA4-Seiten, das macht Ihr wie es Euch gefällt. Dieses Schreiben, das ist Zeit, die Ihr mit Euch selbst verbringt, nicht zum Vorzeigen, sondern zum Entlasten, Planen, Lachen, Weinen, Vorfreude genießen, Ringen, Entscheiden, Loslassen. Schreiberlebniszeit, in der Ihr bestenfalls in den Flow geratet und selbstvergessen Euch selbst erzählt, was Sache ist. Ohne inne zu halten, die Hand soll immer in Bewegung sein. Flow- und Fließzeit statt Blockadezeit. 15 Minuten finde ich gut, weil das auch das Minimum an Zeit ist, zu dem man sich jeden Tag mit sich selbst verabredet, wenn man an einem ‚Produkt‘ arbeitet: An einem Buch, einem Text, einer Rede. Diese magischen Minuten, an die man sich gewöhnt, helfen sehr, in einen konstanten Schreibrhythmus zu gelangen. Aber ‚Produktzeit‘ ist schon wieder ein anderes Thema, hier geht es um ‚Prozesszeit‘.

Meine Teamkollegin Jutta Michaud nutzt die Methode der Morgenseiten, um aufzuschreiben, was sie von dem Tag erwartet, der da kommt; interessant, am Abend abzugleichen, was war. Nicht am Morgen danach: Da sollt Ihr ungehemmt wieder drauf los schreiben. Und zu viel Überlegen und bewußt Nachdenken hemmt Euch. Der Schlaf hat Euch mit kreativen Ideen aufgefüllt; die Hirnforschung zeigt, dass kreative Erlebnisse eher den Wellen im Schlaf ähneln als denen im Wachzustand; beim Schreiben direkt am Morgen holt Ihr ab, was die Nacht in Euch geboren hat.

Noch etwas: Lasst Euch nicht abhalten, wenn ein Journal so hübsch ist, dass Ihr es am liebsten leer lassen wollt: Mit Euren Gedanken drin ist es erst komplett.

2 Kommentare

Eingeordnet unter AKTUELLES

2 Antworten zu “Für 365 Tage gut

  1. Herzlichen Glückwunsch nachträglich und Morgenseiten sind was tolles.

  2. Pingback: “Ab ins Körbchen, Schweinehund!” | Jutta Michaud

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