„Rodinia“ Roman von Laurence Horn

„Rodinia“

Das Jahr hat perfekt begonnen. Erst zog ich ein Gesicht, als der Zettel im Briefkasten mich zwang, zur Post zu laufen, um das Paket zu holen. Aber als ich sah, was drin war, lachte ich wieder. „Rodinia“ von Laurence Horn ist erschienen! Laurence ist Autor und war einer meiner ersten Schreibschüler.  Ein Rohdiamant, als ich ihn entdeckt habe. Ja, darauf bin ich stolz, auf diese Entdeckung eines Autors, den ich ermutigt und begleitet habe.  „Ohne Dich hätte ich dieses Buch nie geschrieben!“ , das meint er. Als er zu mir kam, hatte er handwerklich so wenig Ahnung vom Schreiben wie ich vom Fantasy-Genre – aber das änderte sich schnell. Heute, dreieinhalb Jahre später, erscheint sein Fantasy-Roman „Rodinia“ als Print- und E-Book-Ausgabe beim Papierverzierer-Verlag. Ein 415-seitiges Buch, in der knapp bemessenen Freizeit geschrieben, denn Laurence arbeitet Vollzeit in einem Kommunikationsunternehmen und ist Familienvater mit vielerlei anderen Verpflichtungen – mehr zu ihm hier: www.amazon.de/Laurence-Horn/e/B01M5JCHJ0/ref=ntt_dp_epwbk_0

Wir lachen, wenn ich ihn heute als ‚mein Juwel‘ bezeichne.

Ein langer Weg, oft schrieb Laurence beim Pendeln zur Arbeit im Zug. Er hat viele Entwicklungsschritte durchlaufen. Nicht nur handwerklich und als Autor. In einem Gespräch sagt er mir: „Ja, Schreiben beflügelt. Über Dein Buch dazu habe ich Dich gefunden, und der Satz hat sich bei mir eingegraben. In einem Buch kann ich die Welt gestalten, die mir mein echtes Leben versagt. Ich kann Heldinnen und Helden erfinden, sie in Gedeih oder Verderb stürzen. Echte Helden, keine wimmernden Waschlappen! Ich kann eigene Probleme verschlüsselt im Buch bearbeiten und kreative Lösungen finden. Bei jedem Autor steckt etwas Persönliches von sich drin, da bin ich ganz sicher. Meine Heldin Mira ist eine Außenseiterin. Sie ist meine Lieblingsheldin, weil ich als Kind ebenfalls ein Außenseiter war und mich so mit ihr identifiziere. Im Laufe der Handlung verändert Mira sich und wird stark.“

So ist es bei fast allen meiner Klienten: Hinter dem offensichtlichen Grund, schreiben zu wollen, steckten meistens noch andere Motive. Schreibcoaches sind gut beraten, diese dahinter liegenden Gründe wie zum Beispiel ‚Anerkennung bekommen‘ in Erfahrung zu bringen, denn nur dann können sie ihre Klienten zu einer Zufriedenheit begleiten, die nicht nur den Autor stärkt, sondern den Menschen an sich.

Schreiben kann man lernen – aber es braucht Disziplin

Laurence brachte mehrere Talente mit, aber das Handwerkliche beim Schreiben hat er sich selbst erarbeitet. Das spricht auch für unsere Theorie: Schreiben kann jedermann, und das Schreiben lässt sich verbessern, wenn man diese Genie-Kult-Blockade aus dem Land der Denker und Dichter weglässt („Schreiben kann man eben oder man kann es nicht“). Ob das Buch dann literarisch wird oder nicht, ob es sein Publikum findet oder die Texte nur dem Schreiber selbst Genugtuung bereiten, das steht auf einem anderen Blatt. Und es hat mit der Definition von Erfolg zu tun, die der Schreibende für sich selbst ermittelt. Und es hat damit zu tun, welcher Art von Schreiblehrer der künftige Autor in die Hände fällt und wie sensibel dieser entwickelt und Ressourcen heraus arbeitet, die mit dem Schreiben vielleicht nur marginal zu tun haben.

Mein Rohdiamant jedenfalls hatte eine mächtige Fantasie, die in frühen Geschichten und Skripten für Pen&Paper-Spiele Niederschlag gefunden hatte, Rollenspielen wie D&D (Dungeons&Dragons) oder DSA (Das Schwarze Auge). Heute spielt er Rolemaster, ein auf Herr der Ringe basierendes Rollenspiel. Für Rolemaster schreibt er seit 2006 (und nur für den privaten Gebrauch) Abenteuer. Diese Abenteuer werden dann in einer Gruppe „nachgespielt“. Als ich ihn frage, wie das abläuft, antwortet er: „Wir treffen uns mit mehreren Personen, von denen jeder einen Spiele-Charakter hat. Er ist zum Beispiel Elb, Zwerg, Kämpfer, Zauberer etc.. Ein Spielleiter, also in diesem Falle ich, leitet das Spiel. Die Gruppe bekommt eine Aufgabe gestellt (z.B. eine Prinzessin befreien, einen Schatz finden etc.) und muss diese gemeinsam lösen.“ So war für Laurence das Spiel eine gute Möglichkeit, künftige Plots einzuüben.

Ressourcen des Autors finden und für das Schreiben nutzen

Als ich ihm zum ersten Mal begegnete, war ich überrascht über seine Erscheinung:  lange Haare, zu einem Pferdeschwanz gebunden. Ein unkomplizierter Typ in Jeans mit einem sympathischen Lächeln. Konnte mir gut vorstellen, dass er mit seinem zweiten Hobby total überzeugend wirkte: Laurence war Wikinger-Darsteller. Zog zur Sommerzeit in ein Lager voller Wikinger, die authentisch zeigten, wie die Skandinavier zur Wikingerzeit gelebt hatten. „. Mein Hobby ist das Reenactment. So nennt man die Neuinszenierung konkreter geschichtlicher Ereignisse in möglichst authentischer Weise. Über den Weg der historischen Wiedererlebbarkeit soll Geschichte verständlich und erlebbar gemacht werden. Unsere Wikingergruppe heißt Schildwall und ist ein Kampfbund. Klingt im ersten Moment komisch, oder? Wir sind aber ganz seriös, stellen die Wikingerzeit zwischen 793 und 1066 und deren Schlachten nach. In all unserem Tun arbeiten wir mit renommierten Museen zusammen und betreiben experimentelle Archäologie. Wir versuchen mit dem Wissen von Damals zu arbeiten bzw. Dinge herzustellen.“

Das war mein Stichwort. Die Ressource, mit der er sein Schreiben lebendig machen konnte. Dank dieser ursprünglichen Erfahrungen konnte Laurence total gut beschreiben, wie sich ein strubbeliges Fell anfühlt oder die Erde nach einem Regen riecht. Das kam ihm beim Schreiben sehr zugute, diese Unmittelbarkeit, die aus dem sinnlichen Erleben stammt. Und auch die Disziplin war ihm zu eigen, die aus intensiver Beschäftigung mit einem Hobby kommt. Sonst hätte er niemals neben seinem Job bei einem Kommunikationsunternehmen das Buch schreiben können. Laurence brachte die Energie auf, während seiner täglichen Anreise mit dem Zug nach Hamburg zu schreiben. Seine Zeit wirklich zu nutzen und Stück um Stück voran zu kommen. Tag für Tag. Und innerhalb von drei Jahren hatte er es geschafft: „Rodinia“ erschien als e-Book im September, und Laurence hat bereits die Fortsetzung und auch noch einen Roman in der Schublade.

Sich Hilfe holen wenn es klemmt

Aller Anfang ist schwer: Nach den ersten Schreibversuchen hatte Laurence eingesehen, dass er Hilfe beim Aufbau der Fantasy-Roman-Struktur benötigte. Ich erinnere, wie wir Zettel mit  Szenen auf dem Fußboden hin- und herschoben um sie bestmöglich zu verorten. Parallel zu unseren Schreibcoaching-Stunden erarbeitete er sich rasch ein Feld, in dem er zusätzliche Empfehlungen bekam. Autorenforen, Autoren-Ratgeber und viele Gespräche brachten ihn weiter. Bis hin zu der Krise, in der er verwirrt und über-beraten war – es kommt ein Punkt, da muss ein Autor wieder seinen ureigensten Impulsen vertrauen. Aber auch das haben wir gemeinsam geschafft!

Feedback aus Lesungen mit unveröffentlichtem Manuskript

Ich hatte viel Freude an seiner Entwicklung, zumal er so dankbar für meine Ermutigung und den Glauben an ihn war. Das Feedback zu seinem Buch holte er sich schon mit dem noch unveröffentlichten Manuskript, aus dem er Lesungen veranstaltete; die Reaktion der Zuhörer gab ihm die Hinweise, was gefiel und wo er noch besser werden konnte. Am meisten hat ihm wohl geholfen, dass er das Lesen anderer Fantasy-Autoren für sich entdeckte.

Beim Vortragen seiner Texte bekam er auch die Anerkennung, die ihm zu Hause nur so spärlich gegönnt wurde. Sein Vater erwartete viel, aber lobte wenig. Auch das war ein wichtiger Grund zu schreiben. Der andere: „Ich wollte immer etwas Bleibendes hinterlassen, etwas, was die Jahrhunderte überdauert.  Mein Vater hat Häuser gebaut. Sicherlich sind auch die nicht für die Ewigkeit, nichts ist für die Ewigkeit. Und ich habe auch einen Sohn gezeugt. Aber das ist etwas anderes. Mein Sohn wird -wenn er groß ist- sein eigenes Leben leben und er wird mit Sicherheit nicht jeden Tag meine Wenigkeit lobpreisen oder über mich reden. Man gerät in Vergessenheit. Aber ein geschriebenes und veröffentlichtes Werk, in der Deutschen Nationalbibliothek aufgenommen und auf Mikrofilm verewigt, kommt dem schon nahe. Das ist etwas Bleibendes.“ Darüber hinaus ist Laurence ein Mann, der viel Freude am kommunikativen Austausch hat, seine Gedanken gerne teilt.

Persönliche Themen – Motive der Autoren

Immer  wieder, wenn ich für Schreibcoaching gebucht werde, kommen persönliche Themen meiner Klienten zum Vorschein.

  • Irina, die mit ihrem Buch ausgleichende Gerechtigkeit walten lassen will, nachdem sie als junge Frau hilflos mit angesehen hat, wie ein älterer Mann von seinen Erben ermordet wurde;
  • Sabine, die sich mit ihren Geschichten Zu Lebensfreude und Genuss antrainiert, den Blick auf Positives zu lenken, um nicht weiter ins Burnout zu stürzen;
  • Antonia, die ihren Ratgeber für verlassene Frauen nutzt, um ihre eigene Trennung besser zu bewältigen.

Bei allen Schreibcoaching-Klienten geht es darum, nicht nur zu schreiben, sondern gehört zu werden und ein Feedback, eine Rückmeldung zu bekommen. Ein Feedback, das sich nicht nur auf die gelungene Form des Romans oder Memoirs oder der Gedichte bezieht, sondern ein Feedback zu den Inhalten. Zu ihnen selbst. Es ist, als ob sie ihr Glück oder ihre klare Gelassenheit erst finden können, wenn sie ihre Geschichte erzählt haben und sie gewürdigt worden ist.

Schreiben ist Lebenshilfe

So ging es mir selbst auch. Ich war in einer absoluten Krise, als meine Stelle als Kommunikationsmanager bei einem global wirkenden Unternehmen nach über 20 Jahren von heute auf morgen aufgelöst wurde. Allein erziehend mit zwei Kindern, die 50 in bedrohlicher Nähe, wäre ich finanziell gut beraten gewesen, den ‚Ausweichjob‘ anzunehmen, den das Unternehmen mir bot. Aber ich konnte es nicht. Mein Selbstverständnis war, dass ich als ‚Management-Flüsterer‘ Veränderungen bewirke – und nun sollte ich in einen drögen Job in der Finanzabteilung oder Logistik? Das ging gar nicht. Dazu kam, dass ich meine Arbeit dank eines Leitungswechsels nicht gewürdigt sah. Ich verlor den Boden unter den Füßen, nichts war mehr, wie es war. Daraus habe ich mich gerettet, indem ich während und nach dem Studium einen Roman schrieb, in dem ich meine Geschichte verarbeitet habe. Literarisiert habe, was ich erlebte und den Weg aus der Krise beschrieb, die mein Alter Ego Hannah für mich vornahm. Schreibtherapeutisch gesehen war ich mein erster Patient. ‚Hannas fabelhafte Welt des kreativen Schreibens‘ und das Schreiben half mir zu überleben und eine neue Berufung zu finden.

Ich wünsche Laurence und meinen anderen Klienten, dass sie aus dem Schreibprozess neue Energie für ihr Leben ziehen und den Erfolg bekommen, den sie verdienen!

Sudi,

die hier den 2. Januar 2017 schreibt.

5 Kommentare

Eingeordnet unter AKTUELLES

5 Antworten zu “„Rodinia“ Roman von Laurence Horn

  1. Sehr interessant geschriebener Artikel, liebe Susanne! Ein kreatives Schreibjahr mit vielen inspirierenden Begegnungen wünsche ich Dir. Liebe Grüße, Susanne

    • Liebe Susanne,

      das wünsche ich Dir auch – freue mich schon auf Deine neuen Artikel und bitte gerne auch Dein Buch zum Mikrobenzirkus!
      Und wenn Du wieder in Berlin bist, melde Dich vorab. Herzliche Grüße, Sudi

  2. Hat dies auf Jutta Michaud rebloggt und kommentierte:
    Hier beschreibt meine Teampartnerin Susanne Diehm wunderbar anschaulich, wie Schreibcoaching wirken kann. Und was manchmal hinter dem Wunsch „ich möchte ein Buch schreiben“ stehen kann. Lesenswert!

  3. Hat dies auf Schreiben beflügelt ! rebloggt und kommentierte:

    Da Laurence gestern und heute auf der Leipziger Buchmesse gelesen hat, erlaube ich mir, diesen Beitrag zu rebloggen… Bin sehr stolz auf ihn und gratuliere auch zur Nominierung zum Deutschen Phantasik-Preis in drei Kategorien! https://eveeno.com/Phantastikpreis-Phase1 für alle, die für ihn stimmen wollen :-)… Eure Sudi

  4. Hallo Susanne

    Das ist aber lieb. Ick freu mir, vor allen Dingen dass wir uns auf der Messe getroffen haben. Und vielen Dank fürs rebloggen.
    Ja mit dem DPP bin ich ja mal echt gespannt. Das wäre toll wenn das klappen würde, der Hammer 🙂

    Viele liebe Grüße
    Laurence

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