Schreibangebot beim Kongress der Selbsthilfegruppen Eierstockkrebs in Berlin

 

Ursprünglich wollte ich auf den Kongress der Selbsthilfegruppen Eierstockkrebs dieses Wochenende, um dort gemeinsam mit meiner Teamkollegin Jutta Michaud auf unser Programm des Gesundheitsfördernden Kreativen Schreibens hinzuweisen. Wir leiten als Sudijumi eine Schreibgruppe an der Charité, wollen gerne bundesweit eine Online-Schreibgruppe anbieten und schreiben gerade an… aber davon erzählen wir ein wenig später. Natürlich wollten wir uns auch intensiv mit den Frauen dort unterhalten, um sie besser zu verstehen und unser Angebot noch besser auf ihre Bedürfnisse ausrichten zu können.

Jetzt fand ich diese zwei Tage beim 3. Bundestreffen Eierstockkrebs aber so interessant, dass ich doch zumindest kurz darauf eingehen möchte. Aus den Gesprächen mit vielen Frauen und aus den Vorträgen der hochqualifizierten Referenten sind mir zumindest drei Dinge klar geworden:

  • Wer eine schlechte Diagnose bekommt, ist gut beraten, sich nach einer Selbsthilfegruppe umzuschauen und später vielleicht sogar mitzuwirken. Wer auf  so engagierte Selbsthilfegruppenleiterinnen wie Andrea  Krull  und Brita Jung stößt, die neben ihrem Job (!) nicht nur ihre eigene Gruppe betreut, sondern auch noch andere Selbsthilfegruppen bei der Gründung begleitet, der darf sich glücklich schätzen. Die Gruppe bietet den betroffenen Frauen Information, Coaching und Rückhalt. Die Möglichkeit, Teil zu werden einer durchaus auch kämpferischen Gemeinschaft, die Realitäten betrachtet und nach Verbesserungsmöglichkeiten sucht, ist erleichternd und beflügelnd.

 

  • Für viele Frauen, die nicht an der Charité von Professor Sehouli operiert werden können, stellt sich die Frage, wo sie den Arzt ihres Vertrauens finden. In seinem ersten Vortrag riet der Professor, sich eine Klinik zu suchen, die nachweislich Studien vornimmt; eine Klinik, in der die Haltung der Ärzte engagiert ist, wo Ärzte sind, die keine Scheu haben, sich zertifizieren zu lassen. Auch an der Charité finden Masterklassen statt, in der Kapazitäten ihr Wissen weitergeben. Damit nicht weiter aus Unwissenheit unnötige Fehler in der Behandlung von Eierstockkrebs passieren. Dazu passt das Plädoyer Dr. Kuther, der aus der Schweiz angereist war: Strukturverbesserung ist das Stichwort. Es darf nicht länger sein, dass so viele Patientinnen nicht den höchstmöglichen Standard erhalten.

 

  • Die meisten Menschen wünschen sich den überraschenden Herztod. Das tröstet mich ein wenig zu wissen, da ich in meinem engsten Umfeld gerade davon betroffen war. Allerdings hat dann die Familie mit der Unmittelbarkeit des Geschehens schwer zu kämpfen. Wenn ich da nicht eine Bestatterin gehabt hätte, der ihr Beruf Berufung ist, dann wäre es noch schwerer gewesen. Der Vortrag von Dr. Heidi Massiger-Biebi half das Tabu des Sterbens zu brechen, denn sehr einfühlsam erzählte die Ärztin, wie sie mit ihrem Team in Waldkirchen im palliativen Bereich arbeitet.

 

Und unser Schreibangebot betrifft: Wir sind mit vielen Frauen ins Gespräch gekommen und konnten von den verschiedenen Möglichkeiten, die das Schreiben bietet, erzählen: Gesundheitsförderndes Kreatives Schreiben in der Schreibgruppe, sich mit Schreibimpulsen wieder selbstbewusst schreiben; begreifen, dass man immer noch Frau, Person und Persönlichkeit ist jenseits der Krankheit; Journal schreiben ganz für sich, um mit dem Alltag besser zurecht zu kommen; den Raum nutzen, den das Schreiben bietet; Ein Memoir schreiben um die eigene Lebensgeschichte oder Episoden daraus mit anderen zu teilen. Mehrere Frauen haben unsere Impulse vor Ort genutzt um es gleich auszuprobieren und ihr Elfchen oder ihre Anmerkung an unseren ‚Elfchenbaum‘ zu hängen. Ein paar davon:

IMG-20170923-WA0006.jpg

„Durch

das Schreiben

entlaste ich meine Seele

und habe Platz

für Neues“

 

„Du

mein Freund

immer für mich da –

Liebe!

 

„Jeder Atemzug

hilft

mir daran

mich an den Moment

zu erinnern!“

Wir danken den Organisatoren, dass wir bei diesem so informativen, lebendigen Austausch während des Bundestreffens dabei sein durften und so viele Frauen kennen lernen konnten, die trotz der Diagnose Lebensfreude haben und intensiv leben; deren Warmherzigkeit man spürt und die keine Scheu haben, sich zu zeigen und für bessere Zeiten einzusetzen.

Andrea Krull sagte im Gespräch sinngemäß: „Nur 50 % der erkrankten Frauen kommen in eine Selbsthilfegruppe. Das respektieren wir. Aber wichtig ist: Sie müssen nach dem Schock der Diagnose in den Ausdruck kommen, sich äußern, nicht verstummen“. Wir als Sudijumi haben das verstanden, und wir wollen gerne dazu beitragen, dass das Schreiben als „Möglichkeit, mit sich selbst und anderen in den Dialog zu kommen“  – so spricht Professor Sehouli vom Schreiben –  angenommen wird und Frauen unterstützt. So wie wir es in vielen Schreibgruppen erfahren haben. Was sagt  Eierstockkrebs-Experte und Autor Jalid Sehouli: „Manche Dinge muss ich nicht beweisen. Kreatives Schreiben: Es hilft. Ganz einfach.“

Für Therapeuten oder Ärzte, die sich weiterbilden wollen, und auch interessierte Laien: Mitte Oktober haben wir das nächste Grundlagenseminar zum Gesundheitsfördernden Kreativen Schreiben im Angebot. Freuen Sie sich auf ein Wochenende voller Selbsterfahrung!

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