Schreibend da sein – voll und ganz

 

Ich bin Susanne Diehm, Autorin, Schreibcoach und Schreibtherapeutin. Überzeugt vom Gesundheitsfördernden Kreativen Schreiben. Wenn ich dieses Methodenrepertoire nicht gehabt hätte, wäre es mir schwer gefallen all die Schicksalsschläge zu überleben, die sich mir von Mai 2016 bis Mai 2017 in den Weg stellten, mich stolpern ließen und mir widerfahren sind: Mir sind fünf Menschen weggestorben, mit denen ich eng verbunden war.

Und dann auch noch das 10-jährige Kaninchen meiner Tochter. Ich erwähne dieses weiße Kaninchen Benedice, weil ihr Tod dann das Weinen auslöste, das ich mir bislang verkniffen hatte. Weil ich stark sein musste für meine Kinder, die u.a. ihren Vater verloren hatten. Weil ich verkraften musste, dass nichts mehr war wie zuvor.

Schreibend habe ich mich den Situationen genähert, vor denen ich im Hellen und im Dunklen Angst hatte zu begegnen. Habe ich geschaut, wo meine Kraftressourcen liegen. Habe ich verstanden, warum ich leben wollte trotz aller Verluste. Habe ich in unseren Workshops zu GKS, dem Gesundheitsfördernden Kreativen Schreiben, mitgeschrieben und es hat mir sehr gut getan. Auch wenn ich weiß, dass meine Teamkollegin Jutta Michaud und ich diese Übungen suggestiv konzipiert haben, um den Blick auf die positiven Seiten des Lebens zu richten:

Ich vertraue diesen Übungen, ich empfinde sie als heilsam.

Das kann man doch auch denkend, sagen viele im ersten Moment. Denkend Dinge klären. Sich auseinander setzen mit Situationen. Aber so ist das nicht für mich. Obwohl ich Workshops leite und Menschen leicht einen Bezug zu mir finden, trotzdem fühle ich mich eher introvertiert als extrovertiert. Ich komme an mich nur heran, wenn ich schreibe. Im Reden bleibe ich beruflich obenauf, kann intellektuell Situationen begreifen und mit ihnen umgehen. An meine verschütteten Gefühle komme ich nur schreibend. Achtsamkeitsübungen helfen, Meditation hilft, mit Freunden reden hilft – aber ich brauche das Schreiben, um es aus dem Herz durch die Haut auf das Papier und damit in die Welt zu bringen.

Ich brauche das Schreiben, um mich selbst zu akzeptieren. Anzuerkennen, dass ich schreibend reflektieren muss, mich nicht redend und plappernd finden kann, sondern entweder wortlos und über Körpersprache mich ausdrücke, oder eben schreibend. Reden ist nicht mein Medium, obwohl es mein Metier ist und ich gut funktioniere in den Workshops und vor allem in der Einzelberatung.

Um bei mir zu sein, muss ich schreiben. Kann ich schreiben, darf ich schreiben. Bin ich glücklich beim Schreiben. Atme und lebe ich beim Schreiben. Und damit finde ich die Balance und kann auch da sein für andere. Ob die nun schreiben oder nicht, entscheiden sie selbst. Ich kann es nur empfehlen.

Ein Kommentar

Eingeordnet unter AKTUELLES

Eine Antwort zu “Schreibend da sein – voll und ganz

  1. Hat dies auf Jutta Michaud rebloggt und kommentierte:
    Ein sehr starker und persönlicher Blogtext meiner Teampartnerin. Besser kann man kaum ausdrücken, wie GKS hilft, wenn man sich dafür öffnet. Mir geht es ganz ähnlich: Das tägliche Rendevouz mit meinem Schreibjournal hilft mir über die kleinen und großen Klippen des Lebens hinweg.

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