Steuern Hormone unser Leben?

… und wie steuern wir sie?

Ich lese Bücher oft daraufhin, ob sie meinen Schreibklienten helfen können. Suche für sie Anregungen zur Selbsterkenntnis. Wie ist mein Leben bisher gelaufen, was motiviert mich, wie zufrieden bin ich – all das sind Fragen, mit denen sich biografisch Schreibende oft beschäftigen. So habe ich, da Neurobiologie mich sehr interessiert, zu diesem Buch des Verhaltenswissenschaftlers Daniel Z. Liebermann und Autor Michael E. Long gegriffen: https://www.m-vg.de/riva/shop/article/15081-ein-hormon-regiert-die-welt/

„Ein Hormon regiert die Welt/ Wie Dopamin unser Verhalten steuert – und das Schicksal der Menschheit bestimmt.“  Das Schicksal der Menschheit war mir ein wenig zu hoch gehangen, aber die Frage, wie Hormone unser Leben beeinflussen, damit habe ich tagtäglich im Umgang mit mir selbst und anderen zu tun; hier wollte ich gerne mehr wissen. Schnell kristallisierte sich beim Lesen heraus, dass es mir helfen kann, wenn ich eine Grundsatzfrage mit mir kläre: Bin ich ein Dopamin-Junkie, dem die Fülle der Möglichkeiten nie reicht, der angetrieben wird, die Welt besser zu machen, der von Erfolg zu Erfolg hetzt, weil Dopamin ihn nicht ruhen lässt? Der von Erwartung und Verlangen motiviert unbedingt erkunden und weiterentwickeln will?

Im Moment sein wäre schön

Oder gehöre ich eher zu der  anderen Fraktion, den von  Oxytozin- und anderen Neurotransmittern Gesteuerten, deren neurochemischen Prozesse ihre Daseinsfreude erhöhen, die im Hier und Jetzt zufrieden sind und gut Bindungen eingehen können? Warum lässt mich der Gedanke daran immer noch die Augen verdrehen, obwohl ich doch weiß, wie wichtig das Verankertsein ist? Ich rational einsehe, dass man Ruhe braucht und nicht ständig im morgen leben kann? Immer wieder inne halten hilft. Nicht tausend Dinge nebeneinander machen, sondern eine Sache nach der anderen.

Wissen einsetzen – Harmonie erzielen

Wie nutze ich dieses Wissen um die neurochemischen Zusammenhänge in meinen Schreibgruppen? Wie stelle ich über Schreibanregungen die Harmonie her, in der Kreativität angeregt fließen kann? Aus der Erfahrung  weiß ich das. Das Moment der Überraschung ist immer hilfreich dabei, Menschen zu aktivieren. Dopamin kommt in Gang, sobald ich bei einem Einzelklienten oder einer Gruppe die Fantasie anrege und eine Zukunftsvision beschreiben lasse.  Die Sehnsucht wird wach gekitzelt. Aber wie kann ich nicht nur Potential entfalten, sondern auch Glück und Zufriedenheit nähren? So wichtig bei Patienten, die vielleicht im gegenwärtigen Zustand nicht die Reise nach Marokko schaffen, sondern nur die an die Ostsee? Hier spielt sinnlich wahrnehmbare Realität hinein, die einen Boden bietet, der trägt. Das sinnlich Erfahrbare zu trainieren kann über Schreibanregungen mit Bildimpulsen wunderbar funktionieren. Texte von Hand schreiben, dazu collagieren, kritzeln, eine Postkarte fertigen, ein Scrapbook gestalten. In kreativem Tun sind dopaminerge Lust und Momente im Hier-und Jetzt verbunden, und daraus entsteht eine unglaubliche Harmonie, die zu Zufriedenheit und Stolz über den Prozess führt, durch den man gegangen ist.  Und endlich tritt Ruhe ein.

Das Buch bietet eine Menge an Anregungen und Hintergrund-Wissen, liest sich leicht und wird über Vergleiche und Analogien gut verstehbar.

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