Der Angst die Liebe entgegensetzen

 

Angst-Frei-Sein

Mensch und Natur – Vortrag in der Urania Berlin – ein Rückblick

Di, 26.3.2019, 19:30 Uhr

Dr. med. Wilfried Reuter

buddhistischer Lehrer und spiritueller Leiter des „Lotos – Vihara-Zentrums“ Berlin und weiterer Zentren in Deutschland.

Beschreibung

Innere Angstlosigkeit ist das größte Geschenk, das man sich selbst und anderen bereiten kann. Angst hat mit Trennung zu tun und führt in die Enge. Angst ist ansteckend. Angstlosigkeit hingegen ist eine gelebte Verbindung und führt in die Weite, in Geborgenheit und Zufriedenheit.

In der Urania

Ausverkauft. Angst ist ein Thema, das anscheinend viele Menschen betrifft: Der Kleist-Saal in der Urania war ausverkauft, die Sitzplätze reichten nicht aus für Menschen, die sich über diesen Vortrag Rat erhofften, wie sie mit dem blockierenden Thema umgehen sollten.

Wilfried Reuter war in Hochform, bot in Gelassenheit und humorvoller Stimmung zunächst erklärende Unterscheidungen an zwischen Furcht, Angst und Panik; wann ist denn Angst oder Furcht gut, wann warnt sie uns vor Gefahr? Auch bei diesem Thema verstand er es, Hintergrundwissen aus Neurowissenschaft, Psychotherapie und Buddhismus gut zu verbinden.

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Ich habe mir das Buch gekauft, nicht nur weil ich  selbst Ängste vor Verlust mit mir herumschleppe, sondern wir bei den Patientinnen mit Krebserkrankung, deren Therapie wir mit Schreibimpulsen begleiten, natürlich schnell zum Thema Angst kommen.

Wenn ich mich (aktiv) ängstige, – kann ich dann nicht auch damit aufhören?

Der Angst und der Trennung Verbundenheit und Liebe gegenüber stellen, Heimat in sich selbst finden, all das sprach der buddhistische Arzt an; solange es unbewusst ist, die Angst im Verborgenen lauert, kann sie gefährlich sein:  Erkennen, sich die Angst wertfrei eingestehen, das ist der erste Schritt, um uns anders auszurichten. Wie wir mit uns sprechen, das hat Bedeutung; „wenn ich mich ängstige, dann kann ich auch aufhören damit“, um die Angst aufzulösen, können wir sie betrachten, ohne etwas gegen sie zu tun; dann wird sie nicht genährt. Gedanken, Bilder, Gefühle stehen in Wechselbeziehung; wenn wir gewahr sind dessen, was wir denken, können wir stoppen, dass die Angst uns überwältigt.

Die eigene Biografie als Positivgeschichte

Als Schreibtherapeutin nickte ich natürlich erfreut, als Wilfried Reuter empfahl, die eigene Biografie einmal als Positivgeschichte aufzuschreiben, er habe das in einer seiner buddhistischen Ausbildungen gelernt. Hinschauen auf das Positive – wo wir doch so oft das Negative nur wahrnehmen.

Verantwortung für die eigenen Gedanken zu übernehmen, das sei eine Entscheidung. So trainieren wir es mit unseren Schreibklienten auch oft, und über die Zeit werden neue neuronale Bahnen von Pfaden zu Autobahnen, auf denen es sich verlässlich fahren lässt. „Ja, ein neuer Tag!“, selbst nach einem Alptraum: Angstträume seien wie Reinigungsprozesse, das Unterbewusstsein befreit sich über Alpträume. Unserer Erfahrung nach befreit auch das Schreiben – und auch nach den persönlichen Ressourcen kann man schreibend suchen… wenn man sie schreibend gefunden hat, diese so hilfreichen Erinnerungen an Situationen von Geborgenheit und Harmonie, dann kann man sie in Zeiten der Not auch leichter wieder abrufen. Je stärker Gefühle der Verbundenheit da sind, desto mehr werde der Angst der Nährboden entzogen, so der buddhistische Lehrer.

Der Erste-Hilfe-Kasten bei Angst

 Ein Schatzkästchen an Übungen für Menschen, die Angst fürchten, ist im Buch zu finden. Eine Übung, die man sehr gut auch in Kombination mit dem Schreiben durchführen kann, erläuterte Wilfried Reuter bei der Urania (im Buch ist sie auf S. 187 ff. zu finden), ich verkürze hier: Achtsame Präsenz durch Atmung finden. In zügigem Rhythmus auf die Oberschenkel klopfen, abwechselnd mit rechter und linker Hand.

5 Gegenstände, 5 Geräusche, 5 spürbare Dinge (ich sehe, ich höre, ich fühle) benennen und Merkmale beschreiben: Ich sehe die Lampe, sie hat einen hellen Schein“. Wieder Klopfen, Übung wiederholen und bei jedem Durchgang ein Sinnesobjekt weniger benennen. Sehen. Hören. Spüren.

In der Außenwelt verankern, im Klopfen spüren, weg von der Angst, hin zu angenehmen Dingen wie z.B. einer Tasse Tee. In öffentlichen Räumen statt Klopfen einfach mit den Zehen wackeln, ist unauffälliger…

Nebeneffekt der Übung: Wir erkennen, dass wir die Wahl haben, was wir wahrnehmen… diese Empfehlung stammt von der Psychotherapeutin Heika Gröning, ich habe hier nur verkürzt wieder gegeben.

Thementag

Wer über das Buch hinaus an einem Thementag zum Angst-frei-sein  am 25 und 25. Mai 2019 im buddhistischen Zentrum Lotos Vihara teilnehmen will, hier die Ausschreibung:

Jeder kennt Momente von Angst. Manchmal ist sie klar erkennbar, manchmal äußert sie sich als Unruhe, Schlaflosigkeit, körperlichen Beklemmungszuständen, usw. Angst trübt Klarheit, engt Wahrnehmung ein und blockiert Zugänge zu eigener Kompetenz.

Im Buddhismus gibt es praktische Hilfen, um der Angst den Nährboden zu entziehen.

Eine angstfreie Zeit wünscht Sudi

 

 

Ein Kommentar

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Eine Antwort zu “Der Angst die Liebe entgegensetzen

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