Gerade erreicht mich die Nachricht, dass eine Teilnehmerin leider erkrankt ist und nicht nach Köln kommen kann – wie schade! Es sollte also noch ein Platz frei sein in der Mildred Scheel Akademie in Köln, auf dem Gelände der Uniklinik… wir beschäftigen uns drei Tage lang mit Entlastung und Stärkung von Menschen, die beruflich mit an Krebs Erkrankten arbeiten. Das 4. Mal jetzt, dass wir (Dr. Julia Schwerdtfeger und ich) diese wunderbare Schreibseminarreihe anbieten dürfen… sonst vielleicht im nächsten Jahr? Save the date: 6.-8. Oktober 2027.
Willkommen! Hier noch die Ausschreibung für dieses Jahr:
Eine Rezension zu Mentale Stärke statt Stress von Dr. Ulrich Ott und Jörn-Marc Vogler
Kann Schreiben verändern, wie wir die Welt sehen? Und kann Meditation uns dabei helfen, neue Wege im Denken und Handeln zu finden? Mit diesen Fragen habe ich mich bei der Lektüre von Mentale Stärke statt Stress beschäftigt. Das Buch von Dr. Ulrich Ott und Jörn-Marc Vogler hat mich dazu angeregt, meine bisherige Haltung zur Meditation zu überdenken – und darüber nachzudenken, wie sich deren Methoden mit der Schreibtherapie verbinden lassen.
Warum meditieren?
Wir alle tragen Glaubenssätze in uns. Sie prägen, wie wir Situationen wahrnehmen, was wir erwarten und wie wir auf unsere Umwelt reagieren. Dabei sehen wir häufig nicht die Wirklichkeit in ihrer ganzen Vielfalt, sondern vor allem das, was zu unseren bisherigen Erfahrungen und Überzeugungen passt.
Unser Gehirn versucht ständig, vorherzusagen, was als Nächstes geschehen wird. Dieses Prinzip beschreibt das Konzept des Predictive Mind, das im Buch eine zentrale Rolle spielt. Solche Vorhersagen sind nützlich, können uns aber auch einschränken: Wenn wir fest davon überzeugt sind, etwas nicht zu können, zu scheitern oder verletzt zu werden, halten wir womöglich an vertrauten Mustern fest. Ängste können sich verfestigen, neue Erfahrungen bleiben aus.
Natürlich gibt es verschiedene Wege, solche Muster zu erkennen und zu verändern, etwa im Rahmen einer Psychotherapie. Doch was können wir selbst tun, um unsere Wahrnehmung zu erweitern und neue Handlungsmöglichkeiten zu entdecken?
Für die Autoren liegt eine mögliche Antwort in der Meditation.
Dabei geht es in diesem Buch nicht um ein mystisches Om oder esoterische Heilsversprechen. Die Autoren verbinden Meditation mit psychologischen und neurowissenschaftlichen Erkenntnissen. Sie erläutern, wie Stress, Wahrnehmung und eingeübte Verhaltensweisen zusammenhängen, und stellen verschiedene Meditationstechniken vor.
Besonders interessant finde ich den Gedanken, dass mentale Stärke nicht einfach eine angeborene Eigenschaft sein muss. Sie lässt sich vielmehr als etwas verstehen, das wir durch regelmäßige Übung entwickeln können.
Schreibend in die Tiefe gehen
Als Schreibtherapeutin beschäftige ich mich mit der Frage, wie Schreiben Menschen dabei unterstützen kann, sich selbst besser zu verstehen. In meinen Schreibgruppen arbeite ich auch mit Methoden, die Anregungen aus der Hypnotherapie aufgreifen. Sie können helfen, unbewusste Überzeugungen, innere Konflikte und wiederkehrende Verhaltensmuster zugänglich zu machen.
Schreibend holen wir etwas aus der Tiefe ans Licht. Was zuvor vielleicht nur als diffuses Gefühl, als innere Anspannung oder als wiederkehrende Geschichte spürbar war, lässt sich auf dem Papier betrachten. Wir können Zusammenhänge erkennen, Abstand gewinnen und neue Perspektiven erproben.
Auch das visionäre Schreiben eröffnet Möglichkeiten: Wir entwerfen Szenen, in denen wir anders handeln, stellen uns gewünschte Veränderungen möglichst konkret vor und schreiben diese Erfahrungen im Präsens auf. So können wir uns gedanklich mit Verhaltensweisen vertraut machen, die wir im Alltag entwickeln möchten.
Meditation scheint mir dazu eine interessante Ergänzung zu sein. Während das Schreiben Gedanken und Gefühle in eine sichtbare Form bringt, lädt Meditation dazu ein, innezuhalten, die eigene Wahrnehmung zu beobachten und nicht automatisch jedem Gedanken zu folgen.
Beide Methoden können uns dabei unterstützen, gewohnte Reaktionen bewusster wahrzunehmen. Sie sind jedoch nicht dasselbe und ersetzen auch nicht in jedem Fall eine therapeutische Begleitung. Welche Reihenfolge sich anbietet, ob erst die Meditation oder erst ds Schreiben?
Scribo, ergo sum: Ich schreibe, also bin ich
Lange habe ich gesagt: „Ich muss nicht meditieren, ich schreibe. Ich schreibe, also bin ich.“
Das Schreiben ist für mich ein vertrauter Weg, mich selbst zu erkunden. Wenn ich ganz in einen Text eintauche, kann ich die Zeit vergessen und in einen Flow geraten. Warum sollte ich mich also zusätzlich mit Meditation beschäftigen?
Die Lektüre dieses Buches hat mich dazu gebracht, meine Haltung zu hinterfragen. Vielleicht führt Meditation tatsächlich in einen anderen Zustand als das Schreiben – selbst dann, wenn ich ganz selbstvergessen an einem Text arbeite.
Beim Schreiben entstehen Worte, Bilder und Geschichten. Bei der Meditation geht es zunächst darum, wahrzunehmen, was gerade da ist, ohne unmittelbar darauf reagieren zu müssen. Diese Unterscheidung erscheint mir reizvoll. Vielleicht muss ich mich gar nicht zwischen beiden Wegen entscheiden. Vielleicht können sie sich gegenseitig bereichern.
Warum nicht beides?
Ich finde es reizvoll, die Meditation künftig stärker in meine Arbeit mit Schreibenden einzubeziehen.
Achtsamkeitsübungen haben in meinen Gruppen bereits ihren Platz. Sie können helfen, anzukommen, zur Ruhe zu kommen und die Aufmerksamkeit auf den gegenwärtigen Moment zu richten. Die weiterführenden Übungen, die im Buch vorgestellt werden, möchte ich mir ebenfalls genauer ansehen und ausprobieren.
Besonders ansprechend finde ich, dass die Autoren unterschiedliche Meditationsformen vorstellen und auch mögliche Hindernisse und Widerstände thematisieren. Denn wer sich auf eine neue Praxis einlässt, erlebt nicht unbedingt sofort Ruhe und Entspannung. Manchmal werden Ungeduld, innere Unruhe oder unangenehme Gedanken erst einmal deutlicher wahrnehmbar.
Auch die Hinweise zur Lebensanalyse sprechen mich an. Sie regen dazu an, die eigene Entwicklung systematischer zu betrachten und Veränderungen bewusster wahrzunehmen. Gerade in Verbindung mit dem Schreiben könnte das spannend sein: Was hat sich verändert? Welche alten Überzeugungen bestimmen mich noch? Wo entdecke ich neue Handlungsspielräume?
Die Erfahrungsberichte von Menschen, die sich auf die Übungen eingelassen haben, machen neugierig darauf, die Methoden selbst kennenzulernen. Zugleich bleibt für mich entscheidend, nicht nur über Veränderung zu lesen, sondern herauszufinden, was sich durch regelmäßiges Üben tatsächlich im eigenen Leben verändert.
Zum Buch
Titel:Mentale Stärke statt Stress – Die wissenschaftlich fundierte Meditation für ein resilientes und sinnerfülltes Leben