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Schreiben beflügelt – auch im Advent

Für jedes der 24 Türchen eine kreative Schreibübung. Ich freue mich über Ihre Texte. Siehe mein Adventskalender 2014: Schreiben beflügelt auch im Advent

Weiße Weihnacht

Bitte weiterschreiben und wenn Sie mögen, Texte im Blog einreichen:  mail@susanne-diehm.de

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Traum am Baum – ein Text zur Schreibanregung vom 15.12

Ein Text von Günter Kranz

Ich spüre deine Rinde in meinem Rücken. Sie ist hart und grob, aber dennoch mag ich es, mich an dich zu lehnen und sie zu berühren. Warum fühlen wir uns in eurer Obhut so wohl?
Ihr liebt uns, weil ihr uns braucht. Während des kurzen Weges, den wir in unserer Geschichte gemeinsam gegangen sind, waren wir euch von vielfachem Nutzen. Und ihr hängt an uns, weil eure Phantasie uns Bäume mit wohlwollenden Attributen bedacht hat.
Wie das?
Ihr weist uns Eigenschaften zu, die ihr begehrt, von denen aber viele von euch nicht mehr wissen, dass sie euch eigen sind.
Welche Eigenschaften wären das?
Standhaftigkeit. Ihr wollt geerdet sein, Bodenhaftung haben. Was hindert euch daran? Ein langes Leben. Ihr erstrebt die Lebensdauer eines Baumes, die ihr für endlos haltet wie eure Liebe, deren Zeugnis ihr in unsere Haut ritzt. Warum lebt ihr es nicht, euer Leben? Beständigkeit. Ihr bewundert die Kraft, die uns ohne eigenes Zutun durch den Wechsel der Jahreszeiten führt. Warum vertraut ihr nicht?
Aber wir sind Menschen! Wir können nicht stehen bleiben und warten, dass es Sommer wird. Wir sind mobile Wesen, Wurzeln wären uns hinderlich. Wir haben es eilig, weil unser Leben kurz ist. Du lachst?
Und doch schlagt ihr Wurzeln! Ihr seid verankert, aber nicht mehr in eurer Vergangenheit, die eure Erde ist. Nein, eure Wurzeln haben neuen Halt gefunden, den sie für sicherer halten. Sie schlingen sich um eure Vorurteile, und sie klammern sich an euren Besitz. Und euer Leben? Es ist nicht kurz, Ihr lebt, wie alle Lebewesen, lange genug.
Das klingt hart.
Ach was. Nimm es nicht persönlich. Ich berichte nur, was ich weiß und was ich sehe. Wir Bäume sehen viel, weil wir alt sind und weit schauen. Wir überblicken Raum und Zeit.
Auch die Zeit?
Auch die Zeit. Jeder von uns speichert die Zeit in seinen Fasern, seit der erste Samen keimte. Wir leben unsere Vergangenheit. Sie ist unsere Substanz, unsere Sicherheit.
Und die Zukunft? In die Zukunft seht auch ihr nicht! Du lachst schon wieder!
Wer seine Vergangenheit kennt, weiß auch um seine Zukunft.
Das verstehe ich nicht.
Nein? Denk nach! Kennst du deine Zukunft? Denk nach, und sei ehrlich. Was ist? Du weinst? Bist du traurig?
Ja. Nein. Du hast recht. Doch, ich sehe meine Zukunft. Ich spüre sie im Pochen meines Blutes. Ich sehe den Strom. Nicht die Rinnsale, Bäche und Flüsse. Aber den Strom, den sehe ich. Und weit hinten das Meer. He, was war das?
Du wirst sentimental. Ich habe mir erlaubt, einen Zweig auf deinen Kopf fallen zu lassen. Es wird Nacht. Du musst gehen, sie warten auf dich.

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STILLE …

Ein Text von Günter Kranz nach einer Schreibanregung aus dem Adventskalender

Unsere Schatten sind uns weit voraus. Wir wandern nach Westen, auf dem Weg nach Santiago de Compostela. Es ist noch früh, und wir sind allein. Andere Pilger haben uns erzählt, wie es sei, die spanische Meseta zu durchqueren. Wir glauben also, vorbereitet zu sein.
Unsere Schritte haben sich einander wieder angeglichen; seit einer Stunde haben wir nicht mehr gesprochen. Soweit der Blick reicht, kein Baum, kein Strauch. Flaches Land. Vor uns verliert sich unser Weg als dünner Faden am Horizont. Ich wende mich um. Das selbe Bild, der selbe Weg. Ein Anflug von Panik nimmt mir den Atem. Ich bleibe stehen. Meiner Frau scheint es ähnlich zu gehen. Wir verharren und lauschen. Stille, Leere. Kein Windhauch, nichts. Wir sind allein unter dem wolkenlosen Himmel. Da, plötzlich eine Bewegung! Ein kleiner Vogel fliegt vor uns auf, steigt hoch und bleibt Flügel schlagend über uns stehen. Er singt! Er singt für uns; sein Lied handelt von der Stille und Einsamkeit dieser grandiosen Landschaft. Es handelt auch von uns beiden.
Unsere Trance ist gebrochen. Meine Frau nimmt meine Hand; wir schauen uns an und lächeln. Ich wische eine Träne weg. Komm, lass uns weiter gehen!
Dies geschah am 11. Mai 2009.

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Axt und Tannebaum – Ein Dialog…. (10. Türchen)

T ist der Tannenbaum, A ist die Axt…

T. Hey du, warum liegst du mir zu Füßen?
A: Ich soll dich schlagen. Du bist einfach fällig dieses Jahr.
T: Warum tust du es dann nicht?
A: Alleine kann ich das nicht. Ich warte auf den Waldarbeiter.
T: Aha. Warum hat er dich dann hier liegen gelassen? Vergessen?
A: Mein Herr vergisst mich nie. Ich denke, er macht Pause.
Zwei Tage später:
T: Warum ligst du noch hier?
A. Ich weiß es nicht. So lange hat mein Herr noch nie Pause gemacht.
T: Das ist gut. Ich will nämlich nicht als Weihnachtsbaum verdorren.
A: aber mir gehts jetzt hier nicht gut
T: Wieso? Der Regen ist doch sehr erfrischend…

Nach Weihnachten:

T: Hallo Axt. Gut, dass dein Herr nicht zurückkam. Mir gehts blendend!
A. (ächzt) Schön für dich, lieber Tannenbaum. Leider klingt meine Schneide nicht mehr stimmig. Der Rost, weißt du….
T: Ach, das tut mir Leid. Ja, so wandelt sich das Blatt. Erst solltest du mir an den Kragen gehen. Nun steht dein Leben auf Messers Schneide …

Bärbel Giessmann

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Mein neunter Dezember (9. Türchen)

Heute bin ich allein in meinem Haus, wie an jedem neunten Dezember. Ich will niemanden um mich haben an diesem Tag. Seit ich allein bin, ist es mein heimlicher Feiertag, den ich seit vielen Jahren auf die gleiche Weise begehe.

Dieser Tag gehört meinen Erinnerungen. Francis hat schon gestern die Fotoalben geholt und sie auf das Tischchen neben meinem Sessel gelegt. Er weiß, das das blaue Album oben liegen muss. Der blaue Band enthält die ersten Fotos, die ersten Bilder, die mich als die Frau zeigen, die ich an jenem Tag zu sein begann.

Neunter Dezember 1934, wie unendlich lange ist das her! Der Tag, als der Brief aus Amerika kam, der alles veränderte. Noch haute sehe ich den Stempel des Absenders vor mir: Paramount Pictures! Ich war neunzehn, neunzehn Jahre! Sehen Sie doch, wie schön ich bin, wie meine blonden Haare glänzen, wie glatt meine Haut ist! Mein Finger gleitet über das Foto, ich streichle meine rosigen Wangen, fahre die Konturen meines jungen Körpers entlang. Oh, mein Gott! Meine Hand! Sie ist faltig, durchzogen von blauen Venen, übersät mit Altersflecken. Verdorrt wie mein ganzer Körper. Aber meine Fingernägel, sehen Sie, die sind immer noch ansehnlich, lang, gepflegt und sorgfältig lackiert! Schauen Sie, dort, der Schwarzhaarige, das ist Clayton, mein erster Mann. Wir heirateten nach der Premiere meines zweiten Films. Mein zweiter, erinnern Sie sich? „Die Königin und der Pirat“, das war 1936. Mit dem jungen James Mason. Welch ein grandioser Erfolg! Alle lagen sie mir zu Füßen! Ach Clayton, wie lange bist du schon unter der Erde, du und die die anderen, Fred, Jean-Claude und, wie hieß er noch, Louis. Alle längst zu Staub zerfallen.

Warum habe ich ihre Fotos aufbewahrt? Sie haben mir nichts hinterlassen, was mir heute wichtig wäre. Zwei Töchter von Fred, gut, aber ich kenne sie kaum, wie lange habe ich sie nicht gesehen? Fragen Sie mich nicht. Ich weiß nicht, wo sie sind und was sie machen. Ist mir auch egal. Ich brauche sie nicht, und sie brauchen mich nicht. Was kommt jetzt? Ach, ich glaube, ich werde nicht weiter blättern. Ich fühle mich nicht wohl. Weg, weg, auf den Boden mit den Alben!

Ich will mich nicht erinnern, ich will nur hier sitzen, mit geschlossenen Augen. Die Ruhe meines Tages genießen. Morgen sind alle wieder da. Peter, mein Anwalt, kommt wegen der Geschichte mit der Goldmine in Südafrika. Sieben Tote, verschüttet. Was geht mich eine Goldmine in Südafrika an? Nun ja, Peter wird das regeln. Peter kümmert sich um das, was er mein Vermögen nennt. Ich verstehe nichts davon, es interessiert mich auch nicht.

Was ist das? Ein Foto ist aus einem Album gefallen, es liegt vor meinen Füßen. Ich bücke mich und hebe es auf. Meine Hand zittert. Ein Kinderzimmer, ein Baby im Kinderbettchen. Ein kleines Mädchen mit Zöpfen steht daneben und lacht in die Kamera. Meine Mädels. Das Foto fällt mir aus der Hand. Ich will schlafen.

Günter Kranz

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Grün (4. Türchen)

Grün
Die Tanne
Im Wohnzimmer aufgestellt
werde ich festlich schmücken
Wunderschön

Stefan Zander

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Adventselfchen (4. Türchen)

Advents-Elfchen

Rotgelb

die Äpfelchen

im Backofen braten…

Die Familie glücklich machen –

Pappsatt!

Bärbel Giessmann

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