Vermeidung beim Schreiben – Aufschieberitis?

Normalerweise sind in meinen Autoren-Workshops alle motiviert, mit ihrem Buch-Projekt voran zu kommen, weil das Team inspiriert und neue Impulse im Workshop Energie frei setzen. Vor zwei Tagen jedoch erreichte mich eine Mail, die ich (etwas verfremdet, also anonymisiert) hier wieder gebe:

Sorry, die Hausaufgaben konnte ich dieses Mal nicht erledigen, es sind zu viel vorweihnachtliche Pflichten, ich musste Plätzchen backen mit dem Kind, Adventskränzchen und Partys besuchen, dann kam auch noch mein Bruder vorbei… wie auch immer, ich hab es nicht geschafft – soll ich am Mittwoch trotzdem kommen oder dann erst wieder im Neuen Jahr? Bis dahin hab ich auch das Kapitel fertig geschrieben!“

Die Psychologie des Schreibens

Kennen Sie das? Und wissen Sie, wie viel Psychologie im Schreiben und in kreativen Prozessen generell steckt? Wann es gelingt?

Vermeidung oder auch ‚Aufschieberitis‘ ist ein klassisches Thema, wenn es um kreative Prozesse geht. Man ist noch nicht bereit, hat keine Zeit, fühlt sich nicht gut, zu viele Pflichten…

Alles kein Problem. Wir sind ja Marathonläufer beim Schreiben, keine Sprinter. Sofern kein grundlegendes Thema dahinter steckt und mit dem Vorwand nur überdeckt wird – alles okay. Die Angst davor, nicht zu genügen, kein „Talent“ zu haben… zum Beispiel. Diese Dissonanz tief drinnen ist bei den meisten Kreativen  ein Thema, das dann aufpoppt, wenn man es am wenigsten brauchen kann. ‚Falsches‘ Denken bekommen Sie nur weg, indem Sie sich erst einmal klar machen, woher es kommt. Hat ihnen Ihr Vater oder Lehrer immer gesagt, Sie könnten eh nicht schreiben?

Mein Deutschlehrer hat mich abgebürstet mit der Bemerkung, ich könne nicht schreiben wie Thomas Mann, also möge ich bitte die Schachtelsätze weglassen… Ich habe natürlich gehört: „Du kannst nicht schreiben!“ und habe Jahre gebraucht, bis ich diesen Glaubenssatz korrigiert hatte. Jetzt wage ich wieder was und fühle mich gut dabei.

Dranbleiben: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!

Was ich meiner Workshop-Teilnehmerin gesagt habe? Sie kann gerne ohne Hausaufgaben in den Workshop kommen. Die Atmosphäre im Team wird sie schnell wieder ‚in die Spur‘ bringen. Beim Plätzchen backen aber hätte ich gerne, dass sie einen Notizblock daneben liegen hat, auf dem sie notiert, wenn ihr etwas zu ihrem Text einfällt… oder auch eine kleine Ermutigung an sich selbst auf einen Zettel schreibt: „Ich brenne für mein Buchprojekt“.

Den darf sie dann gerne am Ofen aufhängen :-).

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